Montag, 19. Oktober 2015

Erarbeitung fliegender Galoppwechsel (1)

Da ich ja sowieso kein Turnier mehr gehe und die Winterarbeit vor der Tür steht, habe ich die Erarbeitung der fliegenden Galoppwechsel mit Quintinah in das Arbeits-Programm aufgenommen.

Nun ist es nicht das erste mal, dass ich einem Pferd die Wechsel beibringen muss, festzuhalten ist, dass es nicht DIE eine Herangehensweise gibt, die für alle funktioniert.

Mein erstes Pferd, Grande, hatte ich ja aus dem Schulbetrieb gekauft. Ich selbst war damals zwar in Richtung L-Niveau unterwegs, hatte aber keine Ahnung von weiterführenden Lektionen oder Pferdeausbildung. Da war mir Renate Pumplün eine große Hilfe. Sie konnte mir beibringen, in welchem Moment man die Hilfen zum Umspringen geben muss. Der alte Grande wurde dabei allerdings so heiß, dass wir nicht umhin kamen, für diese Lektion am Schluß des Reitens kurz die Schlaufzügel bzw. Dreieckszügel drauf zu schnallen, damit ich ihn halbwegs unter Kontrolle halten konnte. Sobald ein linker und ein rechter Wechsel halbwegs geklappt hatten, wurde die Reitstunde zur Belohnung beendet. So hat er das recht schnell begriffen und wir konnten die Hilfszügel auch bald weg lassen. Danach war es so, dass er am besten locker zu bekommen war, wenn man ihn früh in der Lösungsphase galoppierte und ein paar Galoppwechsel ritt.

Mein zweites Pferd, Melissa, bekam ich im Alter von 5 Jahren. Sie war bisher Zuchtstute gewesen und gerade erst angeritten. Als es bei ihr an das Erlernen der Wechsel ging, habe ich mir die Erfahrungen von Grande zunutze gemacht. Ich weiß noch, dass sie es auf einer Hand relativ schnell begriffen hatte, aber auf der anderen Seite immer hinten nachsprang. Ich glaube, es war der Wechsel nach links, der schlechter klappte, bin mir aber nicht mehr so sicher. Ich meine, dass wir auch bei ihr die Hilfszügel benutzt haben, aber ganz genau weiß ich es nicht mehr.

Melissas erstem Sohn unter meiner Obhut, Gjacomo, war vom Anreiten bis zur Klasse L immer sehr leichtrittig gewesen und hatte alles sehr schnell begriffen. Ich kann mich erinnern, dass ich mich allerdings fragte, wie ich diesen flotten Galopp jemals gesetzt bekommen sollte. Aber auch das klappte dann irgendwann schließlich. Ich meine bei ihm wäre der Wechsel nach rechts problematischer gewesen (auch  nachgesprungen) und auch er wurde beim Üben recht heftig, daher habe ich auch bei ihm Hilfszügel benutzt. Da wir dieses Problem aber recht schnell abstellen konnten und gerade bei ihm das Loben und Beenden der Arbeit das beste war, um ihm das beizubringen, brauchte ich da noch keine speziellen Taktik anwenden. Nachdem er ruhiger wurde war es auch kein Problem, Serienwechsel bis zu 2 Tempi und schließlich auch einige Einerwechsel zu reiten (ich habe mal 8 oder 9 am Stück geschafft).

Taktik wurde erst bei seinem Halbbruder, dem großen schlaksigen Esquibo, erforderlich. Meine Güte, was habe ich geflucht, um ihm einen Tick abzugewöhnen, der sich eingeschlichen hatte, als er die Wechsel lernen sollte. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Wechsel endlich auf jede Hilfe perfekt kamen.
Zunächst bekam ich ihn gar nicht zum Umspringen, sprich, es erfolgte keine Reaktion. Dann habe ich versucht, beim Galoppieren über eine am Boden liegende Stange den Wechsel zu erreichen, was zumindest zu einer Reaktion führte. Die Wechsel waren allerdings auch da fast immer nachgeprungen. Schließlich meinte ich das Problem gelöst zu haben, weil sich der Umsprung fast perfekt anfühlte, dann mußte ich aber beim Blick in den Reithallenspiegel feststellen, dass er - insbesondere beim Wechsel nach links - kaum merklich mit der Hinterhand einen Zwischenschritt machte. Er sprang also nicht um, sondern er wechselte die Hinterbeine mit einem Schritt. Man konnte es kaum erfühlen, schon gar nicht, wenn man auf dem großen Außenplatz ohne Spiegel unterwegs war. Nichts konnte ihn davon abbringen, diesen einmal verfestigten Fehler abzulegen.
Ein Lehrgang bei einem Instruktur der Légéreté (Reitlehre nach Philippe Karl) half mir entscheidend weiter. Einmal damit, endlich Schenkelgehorsam bei Esquibo herzustellen, indem einer federleichten Schenkelhilfe zum Antraben oder Angaloppieren eine leichte, dann stärkere, dann noch stärkere, dann ganz starke Gertenhilfe folgte, bis dann schließlich die federleichte Schenkelhilfe reichte, um das Gewünschte zu veranlassen.
Zum zweiten damit, die Wechsel  nicht von außen nach innen sondern auf dem Zirkel vom Handgalopp über  Renversstellung und kurze einfache Galoppwechsel zum Außengalopp (nur ein Zwischenschritt) zu reiten, um dann schließlich ohne den Schritt dazwischen den Wechsel springen zu lassen. Und das nicht im versammelten sondern im flüssigen Arbeitstempo, damit die Hinterhand freier für das Umspringen ist, wogegen sie im versammelten Galopp ja schon Gewicht aufnehmen muss und damit schon stärker belastet ist.
Allerdings konnte diese Übung zwar den Wechsel nach rechts enorm verbessern, jedoch den nach links immer noch nicht. Der Zwischenschritt war oft immer noch da. Da ich im Sommer fast nur auf dem Außenplatz geritten bin und kontrollieren wollte, ob der Wechsel funktioniert, suchte ich nach einem Weg, sehen zu können, ob er richtig umgesprungen war oder nicht. Da sich die Flanke am neuen inneren Hinterbein beim Wechseln extrem nach innen wölbt (weil sich das Knie vorschiebt), kann man dort gut sehen, ob der Durchsprung erfolgt ist. Ich drehte also ab sofort im Galoppwechsel meinen Kopf so in die neue innere Richtung, dass ich die Flanke im Blick hatte. Durch diese Körperdrehung verschob sich mein Gewicht nach außen, gab die innere Seite frei, meine Beine rutschten automatisch in die richtige Stellung und siehe da: der Zwischenschritt war weg. Und er war immer nur dann weg, wenn ich mich im Sattel so herumdrehte. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis ich endlich wieder gerade sitzen bleiben konnte und trotzdem der Wechsel klappte. Heute macht man sich keine Gedanken mehr darüber. Nahezu 100% der Wechsel klappen, egal zu welcher Seite und wieviele man nacheinander reitet.

Welche Ideen ich nun zu meinem letzten Pferd, Quintinah, bei den Wechseln umsetze, kommt im nächsten Post.

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