Das blöde an so einer Situation mit der Rehe bei Quintinah ist, dass es so alles wieder hochkommen lässt. Ja, ich bin sogar sauer auf sie, weil sie mir "das antut". Ist natürlich Quatsch.
Im Endeffekt, so denke ich dann, habe ich von ihr bisher noch nichts gehabt. Weder wurden meine Pläne in Richtung Turnierreiten erfüllt, noch ist sie besonders angenehm zu reiten, noch ist sie schmusig oder mir sonstwie zugetan (warum sollte sie auch, wo ich sie ja auch anscheinend auch nicht sonderlich mag).
Sie ist für mich eigentlich vollkommen nutzlos. Im Gegenteil, jetzt wo sie auch noch krank ist, macht sie mir sogar noch Arbeit und Kummer.
Und da hatte ich gehofft und mir vorgenommen, im Sommer 2021 weniger zu reiten bzw. jedes Pferd nur noch alle zwei Tage. Und stattdessen - muss ich Quintinah (als sie wieder laufen kann) JEDEN TAG BEWEGEN ! Und Esquibo teilweise noch dazu!!
Und es geht noch weiter: Mit dem Reiten und den Pferden ist mir sämtliche Fröhlichkeit und alles, was mal schön war, abhanden gekommen. Nichts daran macht mir noch Freude.
Seit Gjacomo tot ist, ist das Reiten und sind die Pferde nur noch eine Pflicht für mich, keine Freude, nur Arbeit und Stress.
Puh, das ist harter Tobak.
Dumme, selbstsüchtige und selbstmitleidige Gedanken.
Aber sie kommen nunmal. Und sie machen mich umso trauriger, fast depressiv. Umso mehr, weil ich natürlich genau weiß, dass man solche Gedanken nicht haben darf. Nie haben darf. Nie haben sollte.
Und dann fühle ich mich schuldig, dass ich sie habe.
Es ist auch Esquibo gegenüber total ungerecht, wie er ja sowieso schon sein ganzes Leben unter meiner Ungerechtigkeit zu leiden hat.
Ich hätte einfach nach Gjacomo kein weiteres Pferd mehr haben dürfen. Er hat mich für den ganzen Rest der Pferdewelt verdorben. Kein Pferd wird je an ihn herankommen - und das ist sehr ungerecht. Aber genau so empfinde ich es.
Ein wenig mehr Durchhaltevermögen und Training und Esquibo hätte ein supergutes Pferd für das große Viereck werden können - zumindest bis S-Dressur, wenn wir seine Nerven in den Griff bekommen hätten.
Quintinah war leider von anfang an nicht das, was ich mir von ihr versprochen hatte, nicht nur was die Nerven angeht. Auch Gang und Ausdruck wären nie ausreichend gewesen - aber das will man als Besitzer ja nicht sehen und wahrhaben. Anfang 2022 laborierten wir ja immer noch an Esquibos Hufgeschwür und ich habe mir dann auch noch die Hand verbrüht. Meinen Job bekam ich zum 1.3. wieder und Quintinah einen erneuten Einschuss, der einer Antibiotikagabe bedurfte. Im Anschluss hatte sie noch ein Ballen-Hufgeschwür - auch ihr erstes. Ende April habe ich mir beim Abspringen von Esquibo am linken Fuß den äußeren Mittelfußknochen gebrochen und musste operiert werden. Genau dann hatte Quintinah wieder Rehe-Symptome, die aber diesmal schnell vorbei gingen. Ich fiel Monate aus und Ina Wernecke war so freundlich, mir in dieser Zeit Quintinah abzunehmen, als sie wieder laufen konnte. Sie konnte auch mit den anderen mit auf die Wiese - mit einer genialen Fressbremse, die sie gut aktzeptiert. Esquibo hatte Pause. Simone Becker war mein guter Geist, der mir die Möhrenfütterung und Medikamentengabe für Quintinah abgenommen hat. Thomas musste ein paarmal einspringen, um PFerde raus und rein zu bringen. So kurz, nachdem ich meinen Job wieder hatte, war das alles doppelt ärgerlich. Ich arbeitete aber von zu Hause so gut es ging. Meine Kolleginnen haben die Dinge vor Ort erledigt. Thomas bekam Ärger mit seiner Gallenblase. War deswegen einmal über Nacht im Arrenberg, weil wir ans Herz dachten. War es aber nicht. Einen Monat später dann ins Bethesda und Galle heraus. Und ich bekam eine Panikattacke, als ich morgens alleine zu Hause war - ließ mich auch ins Bethesda bringen und wurde auf Verdacht auf Lungenembolie behandelt - war es zum Glück nicht. Ich konnte zusammen mit Thomas wieder nach Hause. Und das alles - 2021 und 2022 - unter dem Stern von Corona mit all seinen Problemen. Thomas und ich haben es die ganze Zeit nicht bekommen und haben uns durchimpfen lassen - aber dann zu Weihnachten 2022 hat es uns doch noch erwischt. Kaum Symptome, auch keine Folgen oder Nebenwirkungen, aber eben keine Weihnachtsessen und -besuche. Was für ein blödes Jahr!
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