Wenn Pferde schleichend dicker werden, bemerkt man es erst gar nicht. Man freut sich sogar noch über den dicken Halsaufsatz, der ja so schick aussieht. Außenstehende sehen das schon anders. Die Quittung all der Leckerlies, der Mashzubereitungen und Rübenschnitzel und großen Heu/Silage-Portionen bekommt man dann erst schleichend, dann plötzlich: ein Reheschub.
Es begann im Juni 2021, ein Jahr, in dem es im Frühjahr sehr viel geregnet hatte und die Wiesen unglaublich viel grünes saftiges Gras hatten. Meine Pferde standen natürlich dann schon wieder vormittags und nachmittags draußen, so wie ich es für richtig und gut halte. Quintinah begann irgendwann nur noch sehr langsam zu gehen, wollte ungern auf hartem Boden laufen und wurde in den Vorderbeinen klamm. Ich musste sie treiben, schon im Schritt, was ich von ihr so nicht kannte.
Ich hatte schon einen Termin mit der Osteopathin und auch mit dem Tierarzt deswegen, als Sylvia mich morgens anrief, dass Quintnah kaum laufen konnte. Sie haben sie trotzdem noch irgendwie auf die Wiese gebracht (was natürlich totaler Blödsinn war!) und am Nachmittag wurde dann Rehe diagnostiziert. Zum Glück nicht soooo schlimm, aber immerhin war die Gabe von Metacam als Schmerzmittel (nur wenig), täglich einer Heparin-Spritze und Nux Vomica und Gigko Bilobao alle zwei Stunden (!) erforderlich. Und natürlich absolute Boxenruhe, kein Kraftfutter, nur 8 kg Heu (zum Glück hatte ich noch die beiden engmaschigen Netze, die Michi Fischer mir mal geschenkt hatte) und Strohpellets als weiche Einstreu.
Mit Hilfe all dieser Maßnahmen war Q innerhalb von zwei Wochen lahmfrei und dann machten wir die ersten Röntgenaufnahmen, die zum Glück so gut wie gar keine Rotation zeigten (rechts ganz minimal). So konnte ich das Aufbauprogramm starten, erst Führen in der Halle, dann steigern mit ein paar langen Seiten Trab (was sie lustig fand!), dann später Schritt reiten mit etwas Trab, dies auf Runden gesteigert, dann auf Minuten, dann schließlich konnte ich sie wieder ganz normal reiten, so dass sie gut abnahm.
Währenddessen wurde das tägliche Grasen von 5 Minuten mit Trense auf 10 Minuten mit Halfter, schließlich auf 1/4 bis zu einer Stunde auf der Waldwiese gesteigert, so dass Quintinah während meines Urlaubs Anfang September schon wieder eine Stunde täglich auf die Wiese ging und zusätzlich am Nachmittag noch eine Stunde auf den Sandpaddock. Zusätzlich wurde auch ein tägliches Arbeitsprogramm organisiert und dank Ina Wernecke wurde sie gut durchgearbeitet.
So fühlten wir uns auf einem guten Weg und ich verlängerte die Wiesenzeit auf 2 Stunden täglich - bis ich dann im Oktober nach einigen kalten Nächten doch wieder dieses klamme laufen vorne bemerkte.
Als Sofortmaßnahme wurde der Weidegang wieder eingestellt, die Handvoll Hafer gestrichen und auch das Bewegungsprogramm eingestellt. Seidem führe ich sie nun erst mal freudlos 2x 15 Minuten in der Halle...
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