In der Woche nach unserem Erfolg war Quintinah irgendwie lustlos - oder ich auch. Es ist mir schon oft nach einem Erfolg so gegangen, dass die Motivation ein wenig fehlt.
Dafür hatte ich große Lust mal wieder meinen Großen, Esquibo, zu reiten, nachdem ich zwei Wochen nicht mehr auf ihm gesessen hatte. Entweder hatte er auch großen Spaß daran, mal wieder ein paar schwierige Lektionen zu zeigen, oder der Druck, mit dem ich reite, war für ihn nach zwei Wochen weniger intensivem Training der Anlaß, sich richtig anzustrengen. Jedenfalls hatten wir Donnerstag und Sonntag nach dem Turnier in Wermelskirchen jeweils einen wunderbaren Ritt auf dem schönen Außenplatz.
Das geplante Turnier in Leverkusen-Rheindorf, wo ich leider nur für die A-Dressur einen Startplatz ergattern konnte, hatte ich von meinem Kalender gestrichen. Nur für die A um 6 Uhr fahren zu müssen - nein danke. So verrückt sind wir dann doch nicht. Zumal, schon eine Woche später habe ich Trensen- und Kandaren-L in Wülfrath genannt. Hierfür gilt es sich jetzt vorzubereiten.
Im Moment scheint es zu reichen, Quintinah jeden zweiten Tag zu arbeiten. Sie ist sehr friedlich und kooperativ. Nur, wenn sie alleine auf dem Platz bleiben soll, regt sie sich immer noch auf. Vorgestern machte sie mal wieder einen ihrer berühmten Tausendsten-Sekunden-Seitensprung, bei dem meine träge Masse fast im Sand gelandet wäre. Zum Glück blieb sie sofort stehen, so dass ich mich wieder in den Sattel retten konnte und mir der Kontakt mit dem nassen Sand erspart blieb.
Im Training habe ich mein Augenmerk auf die Lektionen gelegt, die in der Prüfung noch nicht so gut geklappt haben. Das Rückwärtsrichten ist viel besser, williger und flüssiger, geworden und im Galopp setzt sie sich immer schöner. Heute gelangen sogar die etwas schwierigeren Rückführungen aus Mitteltrab und Mittelgalopp zum versammelten Tempo. Und der einfache Galoppwechsel von links nach rechts, der ihr irgendwie viel schwerer fällt als der andere, wurde durch das Training ebenfalls besser.
Das schöne Wetter haben wir natürlich auch zu einigen Ausritten genutzt. Die arten im Moment aber eher zu kulinarischen Veranstaltungen aus, weil man die Pferde kaum noch an einem grünen Grasbüschel vorbei bekommt.
Zur Vorbereitung auf ein Turnier gehört unbedingt auch die mentale Vorbereitung. Man kann ja nicht jeden Tag trainieren und nicht jeden Tag die Aufgaben durchreiten. Die Pferde würden in der Prüfung unruhig werden und alles vorwegnehmen. Aber man kann die Aufgaben, die man sowieso auswendig lernen muss, egal, ob sie auf dem Turnier gelesen werden oder nicht, trotzdem jeden Tag durchreiten - im Kopf! Und zwar reitet man sie perfekt durch, so, als ob alles wunderbar klappt.
So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Man lernt die Aufgaben wunderbar auswendig, und bereitet sich mental auf die Prüfung vor.
Morgen wird jetzt noch einmal mit Kandare geritten, am Freitag Nachmittag gehe ich entweder ins Gelände oder arbeite sie noch ein bißchen und dann geht es Samstag früh zur Trensen-L und am Sonntag, an meinem Geburtstag, soll Quintinah ihre erste Kandaren-L gehen. Ich bin gespannt!
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