Wer angenommen hatte, es würde jetzt genauso erfolgreich weitergehen, kennt die Unwägbarkeiten nicht, die bei jedem Turnier wieder neu auftreten können. Allein der Umstand, dass wir dieses mal keine A-Dressur vor der Einzelaufgaben hatten, bei der sich Quintinah die Halle in Ruhe hätte anschauen können, ist schon ein Indiz dafür, dass es eine wesentlich schwierigere Veranstaltung werden würde.
Es fing aber damit an, dass ich die Anfahrtsdauer ein wenig zu optimistisch geplant hatte, das Satteln und Trensen durch Quintinahs Zappeligkeit etwas länger als gewöhnlich dauerte, und so nur noch 4 Pferde vor mir hatte, als ich in die Abreithalle kam. Das ist am frühen Morgen, bei nur ein paar Grad über Null, eine ziemliche Herausforderung.
Als ich in die Prüfung ging, waren schon die Richter, die nur mit Kopf und Schultern hinter der hohen Bande zu sehen waren, das erste Schreckgespenst, das ich aber durch eine freundliche Begrüßung beheben konnte, da Quintinah dann klar wurde, dass das Menschen und keine körperlosen Ungeheuer sind. Die Ecke hinter den Richtern war ihr da schon unheimlicher (Holz-Querstreben in der Ecke von Band zu Bande im unteren Drittel der Bande),ebenso die andere kurze Seite, die offen war mit Spiegel, Springständern und Zuschauern. Der erste Teil der Aufgabe ließ sich trotz der Spannung noch irgendwie bewältigen. Sie stand beim Einreiten optimal.
In den halben Volten kam sie mir zu tief...
... der Mitteltrab gelang ohne Taktfehler, hier die Schwebephase:
Im Rückwärtsrichten, das sie inzwischen SEHR willig ausführt, kam sie vorne zu tief und es sieht somit kriechend aus. Aber: es ist supergut diagonal getreten!
Die Galopptour begann mit einem zögerlichen angaloppieren, starker Spannung nach der Kehrtvolte im Außengalopp auf die kurze offene Seite zu...
... aber einem ganz guten einfachen Galoppwechsel. Aber dann kam die Kehrtvolte aus der Angstecke: wir parkten 5 Meter davor und ich bekam sie nicht mehr wirklich dort hin.
Danach waren wir beide vollends von der Rolle. Man kann die Spannung im Außengalopp gut erkennen:
Der Mittelgalopp gelang trotz festem Rücken noch ganz gut und der letzte Mitteltrab ebenso - aber nach den Vorfällen habe ich dann auf die Note verzichtet. Frau Humpert gestattete mir, noch einmal in die Ecke zu reiten, wobei auch das nicht wirklich gelang.
Also waren wir am Samstag schon sehr früh wieder zu Hause und konnten noch den normalen Dingen des täglichen Lebens nachgehen - wie Einkaufen zum Beispiel.
Nachdem ich mir in der Nacht einen Kopf wegen des angekündigten Regens und des Parkens auf der lehmigen Wiese gemacht hatte, wurde ich am Morgen um 5.30 Uhr von schönstem Sonnenaufgang überrascht. Diesmal hatte ich mehr Zeit für die Fahrt eingeplant und zäumte Quintinah schon im Hänger auf, so dass Thomas ein besseres Packende beim Satteln hatte.
Diesmal hatte ich zum Abreiten ausreichend Zeit. Als ich in die Prüfung ging, ließ man mir sehr viel Zeit (bestimmt 3 Minuten) und ich konnte überall noch mal im Schritt vorbei - alles kein Problem. In dem Moment hätte ich entscheiden müssen anzugreifen und energisch zu reiten - 30 Jahre Turniererfahrung sollten dazu eigentlich ausreichen, sollte man meinen. Aber ich wollte wohl nur noch einen harmonischen Ritt hinlegen. Das immer noch latent vorhandene Problem, dass mir Quintinah auf Kandare ein wenig zu tief kommt, hätte ich auch nur über ein energischeres Reiten von Hinten beheben können, so aber nicht.
Dennoch sieht sie hier in den Momentaufnahmen (aus dem Video) noch ganz in Ordnung aus, wobei die Nase eben noch etwas vor könnte und das Genick mehr nach oben.
Der Schritt war eigentlich das einzige Highlight, das Kurzkehrt auch gelungen. Im Galopp kamen dann alle Probleme wieder auf, angefangen mit einem absolut bescheidenen Angaloppieren aus dem Rückwärtsrichten - das hätte ich mal zu Hause im Training und beim Abreiten ein paarmal mehr üben sollen. Im Außengalopp rechts - immer ihre schwierige Seite - fiel sie mir in der Ecke aus. Nun hätte ich nochmal außen angaloppieren müssen, um dann bei A den einfachen Wechsel zu zeigen - aber auf 5 Meter Platz .... ? Also bin ich Schritt bis A geritten und dann neu angaloppiert - es war sowieso eigentlich schon egal.
Der Mittelgalopp war gut, die Rückführung ganz schlecht, wobei sie hier an der kurzen Seite noch ganz manierlich ausschaut.
Im letzten Außengalopp durch die halbe Bahn ging uns fast der Sprit aus. Mehr als 5,6 war da nicht drin. Ich hätte uns - nachdem ich das Video gesehen habe - eher nur eine 5,0 gegeben. Ich bitte um Verständnis, dass ich dieses Video nicht öffentlich zeigen möchte ;-)
Fazit: Als Trainingseffekt war die Prüfung auf Kandare gut, weil sie zumindest mal überall vorbei gegangen ist. Verladen klappt jetzt auch super, die Longe brauchen wir schon gar nicht mehr. Beim Fahren schwitzt sie zwar noch, aber nicht mehr so stark.
Ich bin froh, dass wir auf dem nächsten Turnier in Burscheid noch mal eine A-Dressur davor haben - wenn auch nur eine zu Zweit - in der Hoffnung, dass ich nicht nach vorne muss. Bis dahin bleibt nur eins: Üben, Üben, Üben!

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