Freitag, 25. März 2016

Turnier 19.3.16 in Bergisch-Gladbach Paffrath



So ein Turnier erfordert wirklich immer eine Menge an Vorbereitung. Sei es zu überlegen, welches Jacket, Reitstiefel, Sporen etc. man anziehen will, welche Taktik man hinsichtlich des Abreitens und der Vorstellung verfolgt, bis dahin, die praktischen Dinge zu erledigen, wie den Hänger ausräumen und mit Stroh, Futter und Heunetz ausstatten, Sattel und Trense putzen und mit Turnierschabracke und Nummern versehen, etc.  Einiges davon habe ich schon am Freitag erledigt, anderes für den Samstagmorgen aufgehoben. Ich hatte mich am Freitag nach einem Test dafür entschieden, Quintinah mit Rädchensporen zu reiten. Neben der "neuen" Methode des kürzeren Zügels kann man mit diesen doch ganz anders "durchgreifen", wenn Widerstand aufkommt, und man kann die Hilfen leichter und unauffälliger geben. Auch den immer am Bein gehenden Gjacomo hatte ich auf Turnier so gut wie immer mit Rädchensporen vorgestellt und damit gute Erfahrungen gesammelt.
Ich hatte kurzfristig die Nennung zur normalen Trensen-L noch zurückgezogen, um Quintinah nicht gleich auf dem ersten Turnier zu sehr zu stressen. Ich wäre zwar lieber die Trensen-L gegangen, aber die sollte erst als letzte Prüfung stattfinden und mir stand der Sinn nicht danach, erst im Dunkeln nach Hause zu kommen. Daher dann also eine DressurREITERprüfung (L) um die Mittagszeit herum.
Nach einer kurzen Nacht (wegen Aufregung und Durchfall) und einem süßen Brötchen (was anderes rutschte nicht) holte ich Dana um 9.00 Uhr ab und wir fuhren in den Stall. Es geht mir meist sofort besser, wenn ich in Aktion bin und nicht zu Hause auf meinen Einsatz warte. Im Stall waren nun mal erst Sattel und Hänger entsprechend auszurüsten und dann ging es parallel zur Hufbearbeitung durch Gabi Klaassen ans Einflechten. Um 10.30 Uhr wurde ruckzuck verladen (Kette drauf, Longe dahinter, fertig) und auf ging es nach Bergisch-Gladbach - diesmal mit Decke drauf (bei unter 5°C sicher angebracht).
Die Fahrt war ruhig und problemlos. Bei der Ankunft war Quintinah nur an der Schulter geschwitzt - nicht mehr, als sie ohne Decke vermutlich auch geschwitzt hätte. Sie konnte aber nicht einen Moment still stehen beim Fertigmachen, aber auch das haben wir zu Dritt (Thomas war auch schon da) gemeistert. Wir kamen in der Abreitehalle fast piaffierend an und ich konnte nicht lange Schritt reiten, ohne Quintinah noch mehr aufzuregen. Also Trab und Galopp, viele Übergänge und so langsam begann sie sich etwas loszulassen und ruhiger zu werden. Zeitlich passte es prima mit dem Abreiten. Ich erklärte Quintinah (ich spreche ja jetzt mit meinen Pferden ;-)), dass sie gleich bergab über eine Rampe in die Halle hinunter gehen muss und dann gleich rechts davon die Richter hinter einer Abtrennung sitzen werden.
Vorsorglich bat ich Dana aber doch bereit zu stehen, um sie ggf. die Rampe herunter zu führen, falls sie nicht gehen würde. Als ich dran war ritt ich rüber zur Halle, Quintinah ging ohne jedes Zögern die Rampe herunter, würdigte die Richter, die Absperrung und die österlich geschmückten Büsche keines Blickes und ich konnte nach einem Gruß an die Richter im Schritt mal erst meine Volten vor C reiten (um zu simulieren, dass ich ja gleich nach dem Aufmarschieren geradeaus direkt nach C auf die Richter zu reiten muss). Schließlich bin ich angetrabt (alle Fotos von Sabrina Senk):

Es gab rings um die Halle keine weiteren Irritationen, also hatte ich mal erst ein gutes Gefühl und konnte dann nach dem Läuten der Glocke meine Aufgabe beginnen.
Beim Aufmarschieren hob sich Quintinah heraus und schaute sich erst mal alles an (-)
Antraben und halbe Volten im Arbeitstrab waren ok (+), Mitteltrab nicht über den Rücken (-) ...
...und bei der Rückführung kam sie mit der Zunge über das Gebiß (-). Die Schlangenlinien mit Übergang zum Schritt und wieder antraben gelangen gut (+), Kurzkehrt war ok (+), Mittelschritt recht gelassen (+). Rechts angaloppieren bei X ok (+), ...
...Mittelgalopp etwas wenig (±), Aus der Ecke kehrt ok (+) ...
...aber der vers. G nicht gut durchgesprungen (-), halber Zirkel ok (+), einf. GW ok (+). Durch die halbe Bahn wechseln wieder  nicht gut durchgesprungen ...
...und am Ende leicht ausgefallen (-), Übergang Arbeitstrab etwas spät (durch Korrektur des Galopps, --), Zügel aus der Hand kauen lassen auf der ersten halben Zirkelhälfte super (++), auf der zweiten Hälfte weggesprungen am langen Zügel vor dunklem Wasserfleck an der Bande (-). Aufmarschieren ok, aber wieder herausgehoben (-).
6,3 fand ich jetzt für diese Vorstellung angemessen. Ab 6,8 wurde später platziert. Wir waren 21. von 36 Startern. Im Endeffekt ist die 6,3 in einer DressurREITERprüfung die Note dafür, dass ICH nicht in der Lage war, das Pferd ruhig und ohne diese Fehler durch die Prüfung zu reiten...
Ich habe Quintinah noch ein wenig abgetrabt und Schritt geritten, dann sind wir zum Hänger, als sich abzeichnete, dass ich nicht platziert sein würde. Wir haben Quintinah mit der Trense verladen (zu zweit klappt super) und sie mit Decke drauf einen Moment warten lassen, während ich mit der Meldestelle noch klärte, dass man mir das Protokoll  nach Hause schicken soll. Dana und ich haben dann noch in ein Brötchen bzw. Müsliriegel gebissen (Quintinah muss ja auch lernen, dass man auch mal in Ruhe auf dem Hänger stehen und warten kann).
Die Heimfahrt verlief ohne Störungen, aber zu Hause stieg sie dann doch kletschnass aus und begann zu zittern, als sie wieder auf der Stallgasse war. Vielleicht, weil die Anspannung und Verkrampfung in den Muskeln dann nachließ...?
Dana war so lieb und hat sie noch einen Moment in der Halle geführt - was aber eher wieder aufregend war, weil sie sich dann ja wieder von den Jungs trennen musste.
Wenn man die Prüfung als Training begreift, war ich mit dem Tag sehr zufrieden. Natürlich erhoffe ich mir für die weiteren Vorstellungen ein wenig mehr als nur gute Trainingseffekte! Aber: mit Beharrlichkeit und dem Glauben an das gute Pferd kommt man (hoffentlich) auch hier zum Ziel!
Wenn man allerdings das Protokoll liest, das ich mir zuschicken ließ, kommt man sich vor wie ein blutiger Anfänger und fragt sich, wie man noch zu einer 6,3 gekommen ist...

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